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Der heilige Hermann - Josef

 

Köln ist seine Geburtsstadt. Sein Erdenleben fällt in die Zeit zwischen 1150 und 1240, also in die Glanzzeit der Hohenstaufen-Kaiser. In Rom regierte um 1200 Papst Innozenz III. auf dem Höhepunkt kirchlicher Machtfülle. Rainald von Dassel war Erzbischof von Köln und zugleich machtvoller Kanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unter Friedrich Barbarossa. Heilige Zeitgenossen Hermann-Josefs waren Hildegard von Bingen, Franz von Assisi und Dominikus, sowie Elisabeth von Thüringen und ihre Tante Hedwig, Herzogin von Schlesien.

Hermanns Eltern konnten ihrem Kind keine äußeren Güter mit ins Leben geben, dafür umso mehr unvergängliche Gaben des Herzens, vor allem eine große Gottes- und Nächstenliebe. Schon als Kind pflegte Hermann vertrauten Umgang mit der Gottesmutter und ihrem göttlichen Kind in seiner Heimatpfarrkirche Maria im Kapitol (Apfellegende).

Mit zwölf Jahren kam Hermann in das Prämonstratenserkloster Steinfeld in der Eifel. Nach Vollendung der üblichen Studien, die er zum Teil im Kloster Mariengarten in Nordfriesland machte, wurde er zum Priester geweiht. Zunächst betraute man ihn mit dem Dienst im Speisesaal. Im Widerstreit seines Herzens zwischen der Pflicht zu äußerer Arbeit und dem Verlangen nach betrachtendem Gebet gab ihm seine himmlische Mutter die wegweisende Lebensdevise, „den Brüdern in Liebe zu dienen“. Mit herber Bußstrenge gegen sich selbst verband Hermann ein gütiges und verstehendes Herz, indem er sich als eifriger Seelsorger für die leiblichen und seelischen Nöte seiner Mitmenschen einsetzte, besonders auch als begehrter Beichtvater und Seelenführer der Ordensfrauen in verschiedenen Klöstern.

Hermann, von seinen Mitbrüdern wegen seiner Marienverehrung mit dem Beinamen „Josef“ genannt, gab seiner mystischen Frömmigkeit besonders als Dichter ebenso zarter wie inniger Gebete und Hymnen Ausdruck, die die vollendete Hingabe einer ganz der Welt entrückten und dem Ewigen geweihten Seele erkennen lassen. Von seinen Werken sind erhalten: der große Marienhymnus „Gaude, plaude, clara Rosa“; der Hymnus auf das göttliche Herz Jesu „Summi Regis cor, aveto“; das Jubellied auf die heilige Ursula und ihre Gefährtinnen (Stadtheilige von Köln) „O vernantes Christi rosae“; ferner die Sequenz auf die heilige Ursula „Virginalis turma sexus“; schließlich die zwölf Dankgebete zum Erlöser; der innige eucharistische Hymnus „Jesu, dulcis et decore“ sowie seine Betrachtungen über die fünf Freuden Mariens „Gaude Virgo gratiosa“. Hermann-Josef ist auch Verfasser einer verloren gegangenen Erklärung zum Hohen Lied.

In sehr hohem Alter starb Hermann-Josef an einem Donnerstag nach Ostern (wahrscheinlich am 7.April 1241) im Zisterzienserinnenkloster Hoven bei Zülpich, wo er während der Fastenzeit den Gottesdienst gehalten hatte. Auf Bitten der Prämonstratenser von Steinfeld veranlasste der Kölner Erzbischof die Überführung der sterblichen Hülle Hermann-Josefs von Hoven nach Steinfeld; es war am Dienstag nach Pfingsten, sechs Wochen nach seinem seligen Tod. Es wird berichtet, die Eifeler Bevölkerung sei Hermann-Josef entgegengezogen mit Fahnen und brennenden Kerzen, um ihn für immer heimzuholen. Seit jener Stunde ist sein Grab durch viele Wunder verherrlicht. Von seinem Tode an gibt es eine ununterbrochene Verehrung dieses liebenswürdigen Heiligen, der im Laufe von sieben Jahrhunderten immer mehr Menschen an sich zog, so dass heute Hermann-Josef in allen europäischen Ländern und darüber hinaus auch in Nord- und Südamerika bekannt und verehrt ist.

Der Prozess um die Heiligsprechung Hermann-Josefs führte nach vielen Bemühungen im Laufe der letzten drei Jahrhunderte am 11.August 1958 durch Papst Pius XII. zur Anerkennung der heroischen Tugenden und der großen Verehrung des Heiligen.

Das Fest des heiligen Hermann-Josef ist vom 7.April auf den 21. Mai verlegt worden, fällt somit immer in die Osterzeit. Das äußere Hochfest wird alljährlich in Steinfeld am Sonntag vor Pfingsten feierlich begangen und mit einer Festoktav abgeschlossen. Der inneren Vorbereitung auf das Hermann-Josef-Fest dienen die neun „Hermann-Josef-Dienstage“, die von vielen Pfarreien als Wallfahrtstage um Grab des Eifelheiligen gehalten und gestaltet werden.

Hermann-Josef gilt als Patron der Kinder und der heranwachsenden Jugend. Priester und Ordensleute sehen ihn als ihr geistliches Vorbild. Auch die Uhrmacher nehmen ihn für sich in Anspruch, weil Hermann-Josef mechanische Uhren angefertigt und repariert haben soll. Sogar die Mütter pilgern zum Grab dieses weltfernen Mönches, um seinen Segen für eine glückliche Geburt zu erflehen.

Dargestellt wird Hermann-Josef meist als Prämonstratenser-Chorherr mit dem Kelch in der Hand, aus dem drei Rosen hervorsprießen, deutende Zeichen seiner mystischen Begnadungen, besonders bei der heiligen Messe. Den Mystiker bringt auch die Holzplastik aus dem Jahr 1500 im rechten Seitenschiff der Steinfelder Basilika treffend zum Ausdruck, mit dem scharf geschnittenen herben Antlitz, in der Zucht des Ordens geformt, die Augen verhalten wie aus der Mitte meditativer Gottversenkung, die Menschen und die Zeit gleichsam durchschauend und deutend als Seher und Künder.

Andere Darstellungen: Mystische Vermählung Hermann-Josefs mit der Gottesmutter (Altarbild des Hermann-Josef-Altars in Steinfeld); Grabplastik: der Heilige mit der Lilie und dem Jesuskind auf dem Arm. Sehr bekannt ist vor allem die Darstellung jener mystischen Begebenheit, da er als Kind in der Kirche Maria im Kapitol in Köln der Muttergottes einen Apfel für das Jesuskind anbietet, den Maria huldvoll annimmt. Dieser legendäre Vorgang entspringt aus der gläubig-echten Tiefe liebender Ganzhingabe des Kindes an die geliebte Mutter und ist nur aus der kindlichen Selbstverständlichkeit zu begreifen, in der das Übernatürliche vom Kind als das einfachhin „Natürliche“ angesehen und verstanden wird.

Hüter des Grabes des hl. Hermann-Josef in der Basilika zu Steinfeld sind seit dem Jahr 1923 die Salvatorianer (Ordensgesellschaft des Göttlichen Heilandes). Sie haben die klösterliche Tradition, die mit der Vertreibung der Prämonstratenser zur Zeit der Säkularisation 1802 unterbrochen wurde, in den altehrwürdigen Gebäuden wieder erneuert. Sankt Hermann-Josef, dessen Mosaikbild an der Fassade des Gymnasiums angebracht ist, wird ihnen bei der Bildung, Erziehung und Formung der Jugend Vorbild und Helfer sein. Das weltweite Apostolat der Salvatorianer hat dazu beigetragen, die Verehrung dieses liebenswürdigen Heiligen auch in anderen Ländern und Erdteilen zu fördern.

 

P. Hermann-Josef Michels SDS +

Steinfeld

 

 


Hermann-Josef
Pilgerbuch

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Gebete und Gesänge zur Verehrung des Heiligen Hermann Josef

(PDF: 23 Seiten 122KB)