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St. Martin

Seit der Römerzeit ist die Gegend in und um Nettersheim kontinuierlich besiedelt gewesen. Die gallo-römischen Muttergottheiten Aufaniae wurden hier verehrt. Möglicherweise wurde ihr Heiligtum von den ersten Christen als Kirche benutzt. Wann der christlicheGlaube Fuß gefasst hat, ist nicht festzustellen. 867 gab König Lothar II. (855-869) ein Gut in "Nefresheim " an den Edlen Otbert. Im 9. Jh. hatte die Abtei Prüm hier Besitz. 1187 wurde dem Kloster Steinfeld Nettersheimer Besitz bestätigt; 1346 hatte „Nechterssem" einen Gemeindepfarrer. In den Visitationsprotokollen des Herzogtums Jülich aus 1536 heißt es, dass "Nechtersheym" eine Kapelle von Zingsheim sei; Prädikanten und Wahrsager gab es damals keine im Ort. Ob außer der gestatteten Feier der hl. Messe an Samstagen auch die hl. Sakramente gespendet werden durften, ist nicht bekannt. 1704 berichteten die Bewohner in ihrem Gesuch um die Pfarrerhebung an das Kölner Generalvikariat, dass die Vikare in der Kapelle die Taufe und die anderen Sakramente gespendet hatten, bis der Pfarrer von Zingsheim sie gewaltsam daran gehindert habe. Am 2. April 1705 wurde dann Nettersheim Pfarre im Eifeldekanat mit der Auflage, dass am Fest der Apostel Peter und Paul die Gemeinde in Prozession nach Zingsheim zu ziehen und dort eine Kerze zu opfern habe. Erster Pfarrer 1705-19 war der Steinfelder Prämonstratenser Albert Brandt; der letzte Prämonstratenserpfarrer war 1793-1810 Philipp Engel. Unter ihm wurde Nettersheim Pfarre im Kanton Blankenheim im Bistum Trier. Von 1827 an gehört die Pfarre Nettersheim St. Martin zum Dekanat Steinfeld.

Pfarrer:

Josef Wirtz (1921-1963), Wilhelm Houben (1963-1977); Max Wolters (1977-1984), Gerd-Heinrich Mitzscherling (seit 1984). Kirchenbücher von 1705 an.

Bauten:

Pfarrkirche zum hl. Martin von Tours

Über die Kapelle, die auf dem alten Friedhof gestanden hat, ist nichts bekannt. 1733 wurde in der Gemeinde für den Bau einer neuen Kirche gesammelt, da die alte unbenutzbar geworden war. 1784/85 konnte der Bau errichtet werden, ein dreiachsiger Saal mit Voutendecke, dreiseitig geschlossener Chor, viergeschossiger, vorgebauter Westturm. Im Krieg 1939/45 blieb die Kirche verschont. Da der Raum in den 60er Jahren nicht mehr ausreichte, beauftragte man Karl Otto Lüfkens, Krefeld, mit dem Plan einer Erweiterung. Er ließ die Seitenwände unterhalb der Fenster in drei flachen Bogen öffnen und mit runden Stahlträgern abstutzen und zwei Seitenschiffe in ungleicher Breite und Höhe anfügen; dadurch wurde eine weiträumige Halle geschaffen. Am 9. November 1968 konnte der neue Altar durch Bischof Johannes Pohlschneider geweiht werden. 400 Sitz- und 100 Stehplätze.

Glocken: b' aus 1414, Gießer Joiris (?); c" aus 1415, ubk.; es" um 1488, Johann van Alfter; f' u. as' aus 1967; Johannes Mark & Sohn, Brockscheid. - Orgel: 18 Register; aus 1968, Peter Berretz, Eschweiler; - Hochaltar, Holz; Chorwand füllend, aus 17. Jh. mit Gemälde Verkündigung Mariens, auf dem Giebel Muttergottesfigur (1808 aus der abgebrochenen Johanneskirche Münstereifel erhalten). - Seitenaltäre, Holz, 180 x 350 cm, aus 17. Jh., der rechte S. mit Gemälden: Spendung der. hl. Kommunion und darüber hl. Hubert. - Zelebrationsaltar, schwarzer Marmor, Platte 150 x 100 cm, Höhe 123 cm, aus 1968. - Kanzel, Holz, fünf Seiten eines Zehnecks, aus 18. Jh. - Taufstein ohne Sockel, Sandstein, 130 x 60 cm, aus 12. Jh. - Chorgestühl, 4 Sitze, aus 15. Jh., (aus dem Kloster Steinfeld). - Figuren: Herz-Jesu, Holz, H. 165 cm; Muttergottes mit Kind, Holz, H. 37 cm, um 1700; hl. Veronika, Holz, H. 92 cm; hl. Martin und hl. Hubert, Holz, 120 cm, 18. Jh.; hl. Franz von Assisi und hl. Klara, Holz, H. 100 cm, aus 15. Jh. (?); hl. Urban, hl. Kosmas, hl. Damian, hl. Apollonia, hl. Katharina, hl. Elisabeth, hl. Agatha, hl. Barbara, hl. Johannes Nepomuk, sämtl. H. 57 cm; Franz Kastner, Kastelruth, Südtirol. - 4 Holzleuchter, H. 95 cm, um 1800.

Wegkreuz, am Kirchplatz, Sandstein, 265 x 165 cm, mit Nische über dem Sockel, Kreuzarmenden als Lebensblume; aus 18. Jh. Pfarrhaus aus 1961/62, Architekt Karl Schruff, Köln. Zweigechossig unter Satteldach, freistehend. Pfarrheim, altes Pfarrhaus aus 1718. Anschrift: Kath. Kirchengemeinde, St. Martin, Am Kirchberg 8, 53947 Nettersheim;Tel.: O2486/218, Kostenstelle: 0815660 Pfarre mit 1293 Katholiken HWS, 42 NWS und 45 Nichtkatholiken. Vereine: Todesangst-Bruderschaft aus 1921. Wallfahrten nach Barweiler.In der PfarreAltenheim "Haus Tannenblick" Klosterstr. 12, im Herz-Jesu-Kloster St. Martin der Genossenschaft der Cellitinnen Köln, Severinstraße; gerontopsychiatrische Einrichtung der Krankenanstalten Marienborn in Zülpich; 40 Betten; Kapelle zum hl. Augustinus, aus 1921/22; Glocke aus 1415; barocker Holzaltar, 7x4 m, etwa 1700, zwischen Säulen Gemälde, Anbetung der Hirten 140 x 100. cm, in der Bekrönung Augustinusfigur.

Schrifttum:
0. Kleemann, Zur ältesten Geschichte des Dorfes Nettersheim in der Eifel, in: BJ Band 163, 1963, S. 220; H. P. Schiffer, Die Bedeutung der Tierbilder an den Bänken der Pfarrkirche, in. Jb. des Krs. Euskirchen 1983, S. 124-128; Die schöne Eifel: Gemeinde Nettersheim, hrsg. vom Eifelverein 1984.