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St. Peter

Die Gegend um Zingsheim ist mindestens seit der Römerzeit kontinuierlich besiedelt gewesen. Die Matronen Fachinehae hatten hier Heiligtümer. Wernarius, ein Benefiziar des Klosters Prüm hatte Ende 9. Jhs. in Cinesheym Besitz. 1131 bestätigte Papst Innozenz II. dem Cassiusstift zu Bonn den vierten Teil der Einnahmen der Kirche Cinesheim; 1156 war die Kirche in gemeinsamem Besitz der Äbtissin von Vilich und des Heinrich von Limburg. Im liber valoris, einem Abgabenverzeichnis an den Kölner Erzbischof aus 1308, ist Cinsheym unter den Pfarren des Eifeldekanates verzeichnet. Zur Mutterpfarre Zingsheim gehörte auch Nettersheim bis zu dessen Pfarrerhebung 1705. 1794 wurde Pesch von Zingsheim getrennt und selbständige Pfarre. In der Organisation des Bistums Aachen unter Bischof Mark Anton Berdolet 1804 wurde Zingsheim mit seiner Hilfskapelle Engelgau Pfarre im Kanton Gemünd. Bei der Neuorganisation des wiedererrichteten Erzbistums Köln 1827 wurde die Pfarre dem Dekanat Steinfeld zugeteilt.

Pfarrbezirk:

Zingsheim 728 Kath.; Engelgau, 3 km, 483 Kath.; Hirschberg, 1,5km,  3 Kath.; Horrido, 5 km, 2 Kath.

Pfarrer:

Matthias Vossen (1925-1952), Heinrich Dohmen (1952-1973), Werner Schnabel (seit 1973). Kirchenbücher von 1700 an.

Bauten:

Pfarrkirche zum hl. Apostel Petrus

Die ursprüngliche Saalkirche, so ist zu vermuten, baute man im 12. Jh. zu einer dreischiffigen Basilika um (heute Mittel- und Nordschiff unter einem abgeschleppten Barockdach). 1602 wurde ein neuer Westturm vorgebaut, 1717 ein gotisierender Ostchor in Breite des Mittelschiffs. Hernach soll das Südschiff abgebrochen worden sein. Um diese Zeit wurde auch östlich an den Chor die barocke Sakristei gebaut. 1730 baute man eine kleine Vorhalle vor den Westturm. Bei einem Bombenangriff am ersten Weihnachtstag 1944 wurden Dächer und Fenster zerstört. Bis 1953 waren die Schäden behoben. Nach Plänen von Georg Lünenborg, Köln, wurde die Kirche 1965 erweitert. Dazu öffnete man die Südwand in drei rundgeschlossenen Bögen entsprechend den drei Jochen des Schiffes und setzte nach Süden hin ein neues Langhaus mit querschiffartiger Erweiterung im Osten, so dass die alte Kirche eine Art Narthex bildet mit dem alten nördlichen Seitenschiff als Tauf- und Beichtkapelle. Am 1. Juli 1967 wurde die neue Kirche geweiht. Der alte Teil der Kirche ist ein Bruchsteinbau; der dreiseitig geschlossene Chor, die drei Joche des Mittelschiffs und die beiden westlichen des Nordschiffs haben Kreuzgrippengewölbe, das östliche Joch des Nordschiffs ist kreuzgratgewölbt, der Neubau hat im Inneren Holzdecke unter dem Satteldach; der Altarraum im Süden schließt in flachem Bogen ab. Die alte Kirche hat ca. 40 Sitzplätze, die neue 183 Sitzplätze. Glocken: dis' fis' gis' aus 1959, Johannes Mark, Brockscheid. - Orgel: 11 Register, mechanische Traktur, aus 1894, Franz-Joseph Schorn, Kuchenheim, restauriert 1991, Josef Weimbs, Hellenthal. - Taufstein, Kalk, H. 100 cm, Durchmesser 115 cm, aus 12. Jh. -Tabernakel, Verkündigungspult, Osterleuchter, um 1980, Peter Bücken, Kohlscheid. - Kreuzigungsgruppe, Figurenhöhe 73 u. 90 cm, aus 15. Jh. - Petrusfigur, Holz, H. 89 cm, aus 15. Jh. (?). -Antoniusfigur, H. 100 cm 19. Jh. - Glasgemälde: 2 Fenster aus 1973, Rainer Fünders, Krefeld, Joseffenster aus 1980, Sr. M. Praxedis OCSO, Maria Frieden, 2 Fenster aus 1984 u. 1987, Maria Katzgrau, Aachen.

Filialkirche zur hl. Märtyrerin Luzia in Engelgau

Wahrscheinlich stammt der Turm der heutigen Kapelle noch von dem ersten Gotteshaus aus der spätgotischen Zeit. An diesen Turm wurde im 18. Jh. in gleicher Breite ein Schiff angebaut, dessen Altarraum dreiseitig schloss. Da diese Kapelle nicht mehr ausreichte für die Gemeinde, wurde das Schiff 1934 durch ein neues ersetzt nach Plänen von Rolf Distel, Köln. Vor 1973 erhielt die Kapelle einen neuen Zelebrationsaltar, der am 3. Mai 1987 geweiht wurde. Bruchsteinsaalbau mit Querhaus als Abschluss im Osten und vorgebautem Westturm. Das Langhaus hat zwei, das Querhaus drei Fensterachsen; flache Holzdecke. 120 Sitz- und 100 Stehplätze. Glocken: d" und gis" aus 1410 (od. 18), Gießer Joiris. -Zelebrationsaltar, Br. 200 cm, T. 80 cm, H. 101 cm, aus 1987. -Tabernakel, Peter Bücken, Kohlscheid. - Antependium des ehem. Hochaltars (in der Sakristei) mit Kreuz, H. 68 cm, und Figuren des hl. Servatius, H. 68 cm, und des hl. Stephanus, H. 64 cm. - (Muttergottesaltar aus 17. Jh., jetzt in Kloster Knechtsteden). - Pietà, Holz, H. 50 cm, aus 15. Jh. - Vortragekreuz, Messing, H. 50 cm, aus 17. Jh. - Servatius-Reliquiar. - Luzia-Reliquiar. Kapelle zum hl. Bischof Servatius, "Ahekapelle" in Engelgau Die einsam gelegene Kapelle ist auf einen Bau aus römischer Zeit gebaut. Es soll sich hier ein „kleines Dorf" befunden haben. An dem spätgotischen Chor baute man im 18. Jh. ein niedrigeres Langhaus. 1927 wurde die Kapelle instand gesetzt und 1965 unter Bauleitung von Georg Lünenborg restauriert. Eine umfassende Reparatur nach Plan von Peter Müller, Schleiden, wurde 1987 durchgeführt. - Es ist nicht bekannt, seit wann die Ahekapelle Ziel einer Wallfahrt ist. Der Wallfahrtstag ist der 13. Mai. Der hl. Glaubensbote Servatius war auch Patron der Postillone, die daher durch Wortverschleiß von Servatius "Schwager" genannt wurden. Bruchsteinbau mit Chorteil und dreiseitig geschlossenem Chor im Osten, mit hohen abgetreppten Strebepfeilern, das hohe Dach ist im Westen abgewalmt, der Chorteil hat Kreuzrippengewölbe, in der Südwand Sitznische, in der Nordwand Sakramentsnische; das niedrigere Schiff in zwei Fensterachsen hat Pliestertonnengewölbe. 45 Sitz- und 50 Stehplätze.

Glocke (im Chordach) aus 1410, Gießer Johann von Karsogino. -Altar, Holz, B. 169 cm, T. 107 cm, H. 307 cm, aus 17. Jh., (mit Ölgemälde Martyrium römischer Soldaten, als Bekrönung Figur eines heiligen römischen Feldherrn, gestohlen 1966 u. 1974), auf dem Antependium Gemälde des hl. Servatius, umgeben von einem Rosenkranz, 142 x 84 cm (Stiftung von Chrisanthus Salffman 1736). - Holzfigur des hl. Servatius, H. 62 cm, aus 15. Jh. Pfarrhaus aus ca. 1840; renoviert und ausgebaut 1957 und 1977. Pfarrheim aus 1977/78, Architekt Peter Müller, Olef. Anschrift: Kath. Kirchengemeinde, St. Peter, Zingsheim, Kirchstr. 24, 53947 Nettersheim, Tel.: 024 86/219, Kostenstelle: 0815670 Pfarre mit 1214 Katholiken HWS, 24 NWS und 33 Nichtkatholiken. Wallfahrten nach Barweiler und zur Ahekapelle.

Schrifttum:
W. Sage, Ein neues Matronenheiligtum bei Zingsheim, Krs. Schleiden, in: BJ 164, 1964, S. 297-302; H. v. Petrikovits, Ein Mädchenkopf und andere Plastiken aus dem Heiligen Bezirk in Zingsheim, in: BJ 165, 1965, S. 192-234; W. Jung, Denkmalpflege im Krs. Schleiden 1964-1968, in: Heimatkalender des Landkreises Schleiden 1969, S. 28.