Impuls zum 6. Sonntag der Osterzeit - (C)

castle-3063661_1920 (c) pixabay
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Datum:
Mi. 11. Mai 2022
Von:
ejo

Verkündet es jauchzend, damit man es hört! Ruft es hinaus bis ans Ende der Erde! Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit. Halleluja! Jes.48.20

Wohnung

Wohin, wenn ich mich schutzlos fühle?

Wohin, wenn ich Ruhe brauche?

Wohin, wenn mich die Kälte dieser Welt erfrieren lässt?

In meine Wohnung.

Und nicht: Wohin? Zu dir oder zu mir?

Nicht in die Beliebigkeit gestellt,

sondern einen Ort haben,

an dem ich sein darf,

der mir Schutz und Sicherheit gibt

und sich aus dieser Erfahrung weitet

in das: Komm zu mir!

 

Gebet:

Lebendiger Gott, in dieser Zeit erfahren wir ganz existentiell, was es bedeutet, eine Wohnung zu haben. Wir danken dir für diese Erfahrung der Geborgenheit. Lass sie für uns zum je eigenen Auftrag werden, für die zu sorgen, die dies in dieser Zeit so schmerzlich vermissen.

 

Segen:

„Mögest du im Leben immer drei Willkommen finden:

in einem Garten im Sommer,

beim Herdfeuer im Winter

und im Herzen deiner Freunde dein Leben lang.“

Irischer Segen

 

(Predigt)-Impuls

My home is my castle

Eine feste Burg ist unser Gott

Diese zwei scheinbar ähnlichen Sprüche über unsere „Wohnungsverhältnisse“ zeigen quasi im Kleingedruckten ihre Unterschiedlichkeit. Handelt es sich beim einen um ein abgeschlossenes System, das ganz auf mich bezogen ist, so ist der Anfang des Liedtextes von Martin Luther eine Öffnung und verweist auf etwas.

Wenn Jesus davon spricht, Wohnung zu nehmen, dann setzt das zunächst einmal eine Öffnung desjenigen voraus, bei dem Wohnung genommen wird. In der Erfahrung des Volkes Israel, das lange Zeit als Nomaden unterwegs war und erst langsam sesshaft wurde, mag dies auf der einen Seite eine Selbstverständlichkeit sein, und die Gastfreundschaft ist ja dort gerade ein hohes Gut. Auf der anderen Seite wusste das Volk Israel durch seine Geschichte auch immer um die Gefahren, die von außen kommen. Von daher ist Gastfreundschaft auch im hohen Maß ein Akt des Vertrauens. Diese Spannung dauert nicht nur im Volk Israel bis heute an. Herausgefordert durch die großen Flüchtlingswellen unserer Tage und die gleichzeitige Wohnungsnot im eigenen Land wird das Ganze immer wieder ein Spagat. Das kann sich ganz konkret in der Frage ausdrücken: Kann ich Flüchtlinge bei mir aufnehmen? Zugegeben, eine Frage, die mich selber immer wieder umtreibt, gerade wenn ich von anderen Mitmenschen höre, die dies wie selbstverständlich tun. Das kann für einige Menschen der Weg sein, anderen ganz konkret eine Wohnung zu bereiten. Aber Wohnung bereiten kann auch anders gehen: In meiner Offenheit für die vielen Fragen, die durch die Geflüchteten und auch andere Menschen, die sich unbehaust fühlen, an mich herangetragen werden. Und dann kann es auch ein langes Gespräch mit diesen in Not geratenen Menschen, eine Begleitung, ein Öffnen des Herzens sein, auch meines Herzens, das für den Glauben schlägt und daraus Hoffnung bekommt. Und dann geht es um die vielen Arten, in denen ich mich öffne und in denen letztlich Gott in mir wohnt als der, der mir in diesen bedrängenden Fragen dieser Zeit Halt und Zuversicht gibt, nicht nur für mich, sondern auch für andere.