Servatiusfest an der Ahekapelle

Immer am zweiten Sonntag im Mai...

Ahekapelle (c) Petra Stache
Ahekapelle
Datum:
Mo. 9. Mai 2022
Von:
Petra Stache

„Wir kommen gläubig wieder zu Dir Servatius!
Ach, höre uns´re Lieder, nimm an der Deinen Gruß!“

So schallt es am zweiten Sonntag im Mai auf dem Weg von Engelgau hinunter ins Genfbachtal, wenn die Gläubigen sich zur Prozession aufmachen und an der Ahekapelle das Servatiusfest feiern.

Der heilige Servatius, der zu den Eisheiligen zählt, wird seit langer Zeit um Beistand gebeten, um die Äcker vor Unwettern, Blitz, Hagel, aber auch vor Dürre, Frost und Fäulnis zu schützen.

Meine Großmutter, die 1928 in Zingsheim geboren wurde, erzählte mir oft von den Servatiusfesten aus ihren Kindheitstagen.
In festlicher aber sicher unbequemer Sonntagskleidung, pilgerten die Pfarrangehörigen von Zingsheim nach Engelgau. Von dort zogen dann die Gläubigen beider Ortschaften gemeinsam zur Ahekapelle.
Dabei beteten sie wiederholend: „Heiliger Servatius, zu dir kommen wir, deine Fürsprache begehren wir.“
Die Kinder jedoch, wandelten den Text ab und murmelten leise: „Heiliger Servatius, zu dir kommen wir, deine Kamellen begehren wir!“
Ich kann mir gut vorstellen, wie oft auf dem Weg der Groschen in der Tasche gefühlt wurde, den man Zuhause für dieses besondere Fest bekommen hatte, um sich „beim Servatius“ Kamellen kaufen zu können.

Viele Jahre später gehen wir den gleichen Weg: Um den Schutz der Äcker und Gärten bitten wir heute noch den Schutzpatron. Bonbons und Süßigkeiten hingegen gibt es in Hülle und Fülle im Supermarkt zu kaufen und locken die Kinder nicht mehr zum Servatiusfest.
Doch wenn wir – ob jung oder alt - auch nicht mehr die Bonbons vom Kamellenbüdchen „begehren“, so aber doch das, was uns die Seele leichter macht und das Leben in gewisser Weise „versüßt“.

Und so heißt es auch im Servatiuslied, dass ich bereits eingangs zitiert habe, weiter:
„O sieh von Himmelshöh`n, o sieh von Himmelshöh`n
auf uns, die kindlich rufen, erfüll doch unser Fleh´n.“

Jeder und jede von uns pilgert mit seinem besonderen Anliegen im Gepäck zur Ahekapelle. Und ich kann mir vorstellen, dass in diesem Jahr viele um den Frieden für die Menschen in der Ukraine bitten werden. Denn dieser Frieden würde bestimmt uns allen die Seele leichter machen.

 

Text und Foto: Petra Stache