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Liebe Leserin, lieber Leser,
die Schlafmaus wird auch Siebenschläfer genannt, weil sie 7 Monate lang Winterschlaf hält. Mit dem Siebenschläfertag am 27. Juni hat das drollige Nagetier aber nichts zu tun – die Schlafmaus erwacht immerhin „schon“ gegen Ende April aus ihrem langen Schlaf. Der Siebenschläfertag verdankt seinen Namen vielmehr dem Gedenken an 7 besonders ausgeschlafene Heilige:
Der Legende zufolge sollen die 7 jungen Männer sich im Jahr 251 geweigert haben, einer Statue von Kaiser Decius ein Götzenopfer darzubringen. Vor den Schergen des Kaisers versteckten sie sich in einer Höhle in der Nähe von Ephesus. Dort beteten sie zu Jesus Christus um seinen Schutz. Daraufhin ließ Gott sie in einen tiefen Schlaf fallen. Als sie wieder aufwachten, schlich sich der Jüngste von ihnen, Malchus, in die Stadt. Er wollte Lebensmittel kaufen, mit denen er und seine Brüder in der Höhle ausharren wollten, bis die Verfolgung vorüber wäre. Zu seiner großen Überraschung stellte der Junge beim Betreten der Stadt fest, dass die Stadttore in der Zwischenzeit mit Kreuzen verziert worden waren. Auch hörte er in der Stadt mehrere Menschen offen zu Jesus Christus beten und viele Gebäude sahen verändert aus. Als er schließlich beim Bäcker mit Silbermünzen mit dem Gesicht von Kaiser Decius bezahlen wollte, wurde er festgenommen. Denn diese Münzen waren inzwischen völlig veraltet. Malchus wurde vor den Bischof und den Statthalter von Ephesus geführt und erfuhr dort, dass inzwischen Kaiser Theodosius II. regierte und das Christentum nun Staatsreligion war. Man schrieb das Jahr 440 und es war der 27. Juni. Die sieben Schläfer hatten demnach 189 Jahre lang geschlafen. (Nach anderen Versionen der Legende waren es sogar 193, oder 309 oder 372 Jahre.) Als Kaiser Theodosius, der zu diesem Zeitpunkt mit Glaubenszweifeln kämpfte, von dem Wunder erfuhr, wurde er im Glauben an die Auferstehung gestärkt. – Diese ursprünglich christliche Legende findet sich in abgewandelter Form auch im Koran, in der 18. Sure, der sogenannten „Höhlen-Sure“, die traditionell jeden Freitag rezitiert wird.
Mich persönlich fasziniert diese Legende aus dem 5. Jahrhundert, weil sie so überraschend aktuell ist. Nicht nur erzählen heute manche Science-Fiction-Filme von Menschen, die im tiefgekühlten Zustand Jahrzehnte oder Jahrhunderte verschlafen, um in einer völlig anderen Welt wieder aufzuwachen. Auch unsere heutige Welt ist so voller Probleme: Die Kriege in der Ukraine und in Iran, die Naturkatastrophen und der Klimawandel, das Erstarken rechtsextremer Parteien überall auf der Welt, und nicht zuletzt die Dauerkrise der Kirche. Da gefällt mir die Hoffnung, die in der Siebenschläfer-Legende zum Ausdruck kommt: Dass die Probleme, die heute noch unlösbar erscheinen, in ein paar Jahrhunderten Geschichte sein könnten. Dass die Welt sich zum Besseren verwandeln kann. "Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende." Das ist die hoffnungsvolle Botschaft der sieben Schläfer.
Liebe Leserin, lieber Leser, im echten Leben lösen sich die meisten Probleme nicht im Schlaf, sondern müssen aktiv angegangen werden. Aber es lohnt sich, weil Gott uns beisteht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen festen Glauben, Besonnenheit, und genügend Ruhepausen, aus denen Sie neue Kraft für die Herausforderungen Ihres Lebens schöpfen können.
Ihre Pastoralreferentin Andrea Felden